Forschung

Meine Forschung beruht auf einer soziologischen Perspektive auf Technik und einem empirischen Fokus auf Informatik und Software-Entwicklung. Denn in der Arbeit an der Entwicklung digitaler Technologien entsteht – ganz nebenbei – die zukünftige Form der digitalen Gesellschaft: Wir finden uns in unbekannten Städten zurecht, indem wir nicht Reiseführer fragen, sondern Google Maps. Organisationale Weisungsketten sind nicht nur von formaler Hierarchie, sondern von SAP Zugriffsrechen abhängig. Die globale Finanzwelt beruht auf Glasfaserkabeln wie dem zwischen 60 Hudson Street und der Wall Street. Nachhaltige Entwicklung ist eine Frage des Stromverbrauchs von Datenzentren und der Gestaltung von Datensparsamkeit.

Diese gesellschaftlichen und kulturellen Implikationen von Digitalisierung stehen im Mittelpunkt meiner Forschung. In Verzahnung mit Forschungsprojekten in Informatik, Mathematik und der praktischen Softwareentwicklung verstehe ich Soziologie und Science & Technology Studies (STS) als Basis einer interdisziplinären Digitalisierungsforschung.

Digitale Wissenskulturen

Die steigende Relevanz von Datensammlung, -speicherung und -verarbeitung durch Algorithmen ist zentrales Merkmal für digitale Wissenskulturen. Sie ist daher Mittelpunkt meiner Arbeit. Mit Josef Wehner und Tillman Sutter habe ich das DFG Projekt „Numerische Inklusion“ (2010–2012) geleitet, in dem wir Start-Ups der Digitalwirtschaft untersucht haben. Am MCTS der TU München leite ich seit April 2015 das Post/Doc Labs Digital Media: eine Nachwuchsgruppe, die den Wandel zu digitalen Wissenskulturen untersucht. Im September 2015 ist das EU H2020 Projekt IMPROVE gestartet, das eine Big Data Infrastruktur für die produzierende Industrie entwickelt. Mit Sabine Maasen leite ich darin ein Arbeitspaket zum Wandel zu datengetriebener Entwicklungsarbeit. Im technikwissenschaftlichen SFB 768 haben wir ein erfolgreich ein Teilprojekt eingeworben, in dem es um die reflexive Gestaltung von Innovationsprozessen in Unternehmen auch mittels digitaler Medien geht. In einem von der bayerischen Staatsregierung geförderten Pilotprojekt für das Munich Center for Internet Research führen wir gemeinsam mit der LMU (Hans-Bernd Brosius) und dem BR (Birgit Spanner-Ulmer) ein Teilprojekt zu „Mediatheken der Zukunft“ durch. Weitere Projekte sind in Vorbereitung: für ein DFG Kooperationsprojekt mit dem Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft ist ein Antragsentwurf in Arbeit, mit Ignacio Farias arbeite ich an einem Antrag zu „Algorithmic Urbanism“ und mit Hajo Greif arbeite ich an einem Antrag zu „Simulation as Media“.

Infrastrukturen des Regierens

In modernen Gesellschaften sind Staat, Macht und Politik immer durch eine medientechnische Infrastrukturen des Regierens geordnet. Seit 2005 untersuchen Nicholas J. Rowland (PSU) und ich dazu die medialen und technischen Grundlagen der Regierungs- und Machttechnologien moderner Nationalstaaten. Digitale Transformationen dieser medientechnischen Infrastruktur lassen sich dazu befragen, welches institutionelle Erbe sie in sich tragen und wie ihre Zukunft gestalten lässt. Seit 2011 organisieren wir auf den Tagungen der Social Studies of Science (4S) und der European Association for the Study of Science and Technology (EASST) regelmäßig Open Tracks und Panels der Arbeitsgruppe „Social Studies of Politics“, um einer wachsenden Gruppen von Forschenden einen akademischen Hafen zur Verfügung zu stellen. Wir arbeiten daran, diese Gruppe in einem Netzwerk enger miteinander zu verbinden: Eine Vernetzungsveranstaltung dazu hat im August 2016 an der Concordia University in Montreal zusammen mit Govind Gopakumar stattgefunden. Ben Hurlbut, Chris Kelty, Sabine Maasen, Shobita Parthasarathy, Sebastian Pfotenhauer, Malte Ziewitz und ich haben ein Programm für ein NSF-DFG Symposium im April 2018 zu „Technoscientific Constitutions of Politics, Law and Public Reason“ verfasst, das von der NSF bereits bewilligt wurde.

Soziologie und Science and Technology Studies

Allgemeine Soziologie und Science and Technology Studies müssen in Austausch miteinander bleiben, um die Arbeit mit Technikwissenschaften an soziologische Fragen zurückzubinden. Meine Dissertation „Technik und Gesellschaft“ ist der Entwicklung der Techniksoziologie nachgegangen und hat sie modernitätstheoretisch eingebettet. In meiner Habilitationsschrift „Soziologie der Umstände“ beziehe ich zwei Entwicklungen aus der soziologischen Theorie und der Wissenschafts- und Technikforschung aufeinander, um eine Heuristik der Analyse technisierter Praxis und ihrer infrastrukturellen Bedingungen an den soziologischen Fachdiskurs anzuschließen. Das Verfahren an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) bei Andreas Reckwitz, Werner Rammert und Sabine Maasen wurde am 21.6.2017 mit der Verleihung der Venia Legendi „Soziologie“ abgeschlossen. Sabine Maasen und ich geben zudem einen Sonderband der Zeitschrift „Soziale Welt“ zur „Soziologie des Digitalen – Digitale Soziologie“ heraus, der versucht, Entwicklungen innerhalb der interdisziplinären Wissenschafts- und Technikforschung für andere sozial- und kulturwissenschaftliche Disziplinen anschlussfähig zu machen.

Organisierte Tagungen

30.8.– 2.9.2017 „Social Studies of Politics: What do we care for?“, Zwei Sessions in einem Open Panel, Society for the Social Studies of Science (4S) in Boston, MA mit Prof. Dr. Govind Gopakumar (Concordia) und Prof. Dr. Nicholas J. Rowland (PSU)
4.– 6.11.2016 „4. Videoanalyse-Workshop“ gemeinsam mit Felix Albrecht, Andrea Geipel, Benjamin Lipp, Ajit Singh, Rene Tuma an der TU München
31.8.– 3.9.2016 „Social Studies of Politics“, Sieben Sessions in einem Open Panel, European Association for the Study of Science and Technology (EASST) in Barcelona mit Prof. Dr. Nicholas J. Rowland (PSU) und Prof. Dr. Jan-Peter Voss (TU Berlin)
6.– 10.8.2016 „STS and the State“ Editorial-Workshop gemeinsam mit Prof. Dr. Govind Gopakumar (Concordia) und Prof. Dr. Nicholas J. Rowland (PSU) in Montreal
1.–4.6.2016 „Co/Laboration“, Veranstaltung der International Graduate School of Science and Engineering, TU München für etwa 100 Promovierende aus den Natur- und Technikwissenschaften
24.– 25.5.2016 „STS Figures to think with: Modest Witness, Invisible Technician, Cyborg, Idiot“, Promovierendenworkshop gemeinsam mit Prof. Dr. Ignacio Farias, Dr. Tomás Criado und Dr. Laurie Waller
11.– 14.11.2015 „Social Studies of Politics: Reassembling Governance“, Drei Sessions in einem Open Panel, Society for the Social Studies of Science (4S) in Den- ver,CO mit Prof. Dr. Nicholas J. Rowland (PSU)
3.–4.7.2015 „Profile: Individualisierung, Kollektivierung und Klassifizierung durch Daten“, Workshop der AG Daten und Netzwerke in der Gesellschaft für Medien- wissenschaft in Braunschweig mit Martin Degeling, Katja Grashöfer, Julius Othmer, Dr. Theo Röhle, Dr. Jan-Hinrik Schmidt, Andreas Weich und Bianca Westermann
21.– 22.11.2014 „Leibmessen. Experimentelle Optimierung von Körper und Alltag“, Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung (GWTF) in Tübingen mit Prof. Dr. Jörg Strübing
17.– 19.10.2014 „STS and the state“, Zwei Sessions in einem Open Track, European Association for the Social Studies of Science and Technology (EASST) in Torun, Polen mit Prof. Dr. Nicholas J. Rowland (PSU)
20.– 23.8.2014 „STS and the state“, Open Panel, Society for the Social Studies of Science (4S) in Buenos Aires, Argentinien mit Prof. Dr. Nicholas J. Rowland (PSU)
7.–8.2.2014 „Making data count – Quantifizierung und Kollektivierung im Netz, Frühjahrstagung der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) in Bielefeld mit Thorben Mämecke und PD Dr. Josef Wehner
7.–8.11- 2013 „Struggling with Innovations. Social Innovations and Conflicts in Urban Development and Planning“, Tagung am Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner mit Prof. Dr. Gabriela Christmann, Kerstin Falk und Anika Noack
9.– 12.10.2013 „State Multiplicity, Performativity and Materiality: STS Research on State and Stateness“, Drei Sessions, Society for the Social Studies of Science (4S) in San Diego, CA mit Prof. Dr. Nicholas J. Rowland (PSU)
14.– 15.3.2013 1. Spring School des DFG Graduiertenkollegs „Innovationsgesellschaft heute: Die reflexive Herstellung des Neuen“ an der TU Berlin
30.– 31.10.2012 Workshop „Innovationsmotor Kunde. Kreative Aneignung, Work-Arounds und Trickserei“ für die Deutsche Telekom AG im Rahmen der Veranstaltung „Delight your Customer III“
17.– 20.10.2012 „On states, stateness and STS: government(ality) with a small g?“, Zwei Sessions, 4S/EASST in Kopenhagen, DK mit Prof. Dr. Nicholas J. Rowland (PSU)
2.–11.2011 „Seeing the State and State Theory in STS“, Zwei Sessions, Society for the Social Studies of Science (4S) in Cleveland, OH mit Nicholas J. Rowland (PSU)
29.5.2009 „Agency without Actors?“ Deutsch–französisches Atelier für Nachwuchswissenschaftler mit Florence Rudolf, HDr. (Strasbourg) und Dr. Birgit Peuker (Dresden)
30.1– 31.1.2009 „Von der Klasse zum Cluster. Zum Verhältnis von Medien, Messungen und Sozialität“ mit PD Dr. Josef Wehner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.